Branchen-Ratgeber · 11 Min. Lesezeit
Aufträge im Trockenbau und Innenausbau gewinnen
Von Patrick Sauna · veröffentlicht am · aktualisiert am
Im Trockenbau und Innenausbau entscheidet selten der schönste Prospekt über den Auftrag. Es entscheidet, ob ein Bauleiter Sie kennt oder findet, wenn er kurzfristig jemanden für Wände, Decken oder Spachtelarbeiten braucht. Und es entscheidet, ob Sie ihm in wenigen Minuten belegen können, dass Sie sauber arbeiten und Ihre Nachweise beisammen haben.
Dieser Leitfaden beschreibt den Weg, den ein Auftrag im Innenausbau wirklich nimmt: von der Anfrage des Generalunternehmers über die Nachweise bis zum privaten Bauherrn, der sein Dachgeschoss ausbauen lassen will. Und er zeigt, an welchen Stellen ein Betrieb online abgehängt wird, ohne es zu merken.
Wie ein Auftrag im Innenausbau tatsächlich vergeben wird
Am Anfang steht fast immer eine Kette: Der Bauherr beauftragt einen Generalunternehmer oder ein Bauunternehmen, und dieses vergibt die einzelnen Gewerke weiter. Trockenbau, Bodenbelag und Malerarbeiten gehen dabei an Nachunternehmer. Wer in dieser Kette einmal drin ist, bekommt Folgeaufträge oft ohne neuen Wettbewerb. Wer draußen ist, kommt schwer hinein, weil die Vergabe selten öffentlich stattfindet.
Der zweite, viel unterschätzte Weg ist die kurzfristige Lücke. Ein Nachunternehmer fällt aus, eine Kolonne ist krank, ein Termin wackelt. Dann sucht ein Bauleiter unter Zeitdruck, und zwar genauso, wie alle anderen auch suchen: am Telefon über Google. In diesem Moment gewinnt der Betrieb, der auffindbar ist, sein Gebiet nennt und sofort erkennen lässt, welche Arbeiten er ausführt.
Der dritte Weg ist der private Bauherr. Er hat keinen Generalunternehmer, sondern eine Idee vom fertigen Dachgeschoss. Er sucht, vergleicht, schaut sich Bilder an und fragt am Ende zwei oder drei Betriebe an. Hier zählt nicht die Vergabepraxis, sondern Vertrauen.
Wie kleine Bauunternehmen an Aufträge kommen
Für einen kleinen Trockenbau- oder Innenausbaubetrieb gibt es im Kern drei Kanäle: als Nachunternehmer bei Generalunternehmern und Bauträgern, direkt bei privaten Bauherren und über öffentliche Ausschreibungen. Die meisten kleinen Betriebe leben vom ersten Kanal und merken erst in einer Flaute, wie abhängig sie davon sind.
Der zweite Kanal ist der, den Sie am stärksten selbst steuern können. Private Bauherren suchen online nach der konkreten Arbeit und ihrem Ort, und sie vergleichen Fotos, Bewertungen und Erreichbarkeit. Ein Betrieb, der dort sichtbar ist, gleicht schwache Monate im Nachunternehmergeschäft aus.
Was ein Generalunternehmer sehen will, bevor er Sie anfragt
Ein Bauleiter hat wenig Zeit und ein hohes Risiko. Fällt sein Nachunternehmer aus oder arbeitet schlecht, hat er den Ärger. Deshalb prüft er vorab, ob Sie ins Raster passen. Diese Punkte sollten deshalb ohne Nachfragen sichtbar sein:
- Welche Gewerke Sie wirklich ausführen, einzeln benannt statt als Aufzählung
- Ihr Einsatzgebiet und wie weit Sie fahren
- Wie viele Leute Sie stellen können und ob Sie mit Kolonnen arbeiten
- Referenzen, am besten mit Bildern vom fertigen Ergebnis
- Nachweise und Versicherung, damit die Zusammenarbeit nicht am Papierkram hängt
Die Nachweise, nach denen im Bau gefragt wird
Bei Bauleistungen hält der Auftraggeber grundsätzlich fünfzehn Prozent der Rechnungssumme ein und führt sie als Bauabzugsteuer ans Finanzamt ab. Das entfällt, wenn Sie eine gültige Freistellungsbescheinigung nach Paragraf 48b Einkommensteuergesetz vorlegen. Viele Auftraggeber fragen sie deshalb schon vor der Beauftragung ab. Wer sie sofort schicken kann, wirkt eingespielt.
Dazu kommen je nach Auftraggeber und Betrieb weitere Unterlagen: Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Krankenkasse, Berufsgenossenschaft und Sozialkasse der Bauwirtschaft, eine Betriebshaftpflicht mit ausreichender Deckung und bei größeren Bauvorhaben eine Nachunternehmererklärung. Das ist kein Hexenwerk, aber es entscheidet oft darüber, wer beim zweiten Anruf noch dabei ist.
Legen Sie diese Unterlagen griffbereit ab, digital und aktuell. Nichts bremst eine Vergabe so zuverlässig wie ein fehlendes Papier, das erst besorgt werden muss.
Öffentliche Ausschreibungen für Trockenbau: lohnt sich der Aufwand?
Öffentliche Auftraggeber schreiben Innenausbauleistungen über Vergabeplattformen aus, in der Regel nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen. Die Leistung steht dann in einem Leistungsverzeichnis, Sie bepreisen Position für Position und reichen das Angebot fristgerecht digital ein.
Für kleine Betriebe ist das zweischneidig. Der Aufwand je Angebot ist hoch, die Eignungsnachweise sind formal, und der Preis wiegt schwer. Dafür sind die Auftraggeber zahlungssicher und die Bauvolumen planbar. Sinnvoll ist es meist erst, wenn Sie eine Person haben, die Angebote sauber kalkulieren und Fristen einhalten kann. Bis dahin bringen Generalunternehmer und Privatkunden pro Stunde Aufwand deutlich mehr.
Nachträge im Innenausbau vermeiden und sauber durchsetzen
Nachträge entstehen, wenn sich die Leistung gegenüber dem Vertrag ändert oder etwas dazukommt: eine zusätzliche Vorsatzschale, eine höhere Oberflächengüte, Wände, die anders stehen als im Plan. Ob und wie sie bezahlt werden, entscheidet sich meist schon vor dem ersten Arbeitstag.
Ist die VOB/B vereinbart, regelt deren Paragraf 2 die Vergütung geänderter und zusätzlicher Leistungen. Bei zusätzlichen Leistungen muss der Anspruch grundsätzlich angekündigt werden, bevor mit der Ausführung begonnen wird. Wer erst nach der Ausführung abrechnet, hat oft schlechte Karten. Für den Einzelfall gehört die Frage zu einem Anwalt für Baurecht.
- Leistungsverzeichnis vor dem Angebot gegen die Pläne prüfen und Unklarheiten als Bieterfrage klären
- Annahmen, die dem Preis zugrunde liegen, im Angebot ausdrücklich nennen
- Jede Änderung vor Ort mit Datum, Foto und Anweisung des Bauleiters festhalten
- Zusätzliche Leistungen schriftlich ankündigen, bevor sie ausgeführt werden
Zwei Zielgruppen, zwei völlig verschiedene Suchen
Ein Bauleiter sucht anders als ein Hausbesitzer. Der eine tippt Begriffe wie Trockenbau Nachunternehmer oder Trockenbaufirma mit dem Ort ein, der andere sucht nach Dachgeschoss ausbauen lassen oder Trockenbauer in der Nähe. Beide sollen fündig werden, aber sie brauchen unterschiedliche Antworten auf der Seite.
Der Fehler, den fast jeder Betrieb macht: Er schreibt für beide denselben Text. Dann steht dort eine Mischung, die den Bauleiter nicht überzeugt und den Privatkunden nicht abholt. Besser ist ein eigener Abschnitt je Zielgruppe, jeweils mit der Sprache, die dort üblich ist.
Aufträge für den Dachausbau und andere Privataufträge gewinnen
Der Dachgeschossausbau ist für viele Trockenbauer der lohnendste Privatauftrag: überschaubare Baustelle, hoher Anteil eigener Leistung und ein Bauherr, der selbst entscheidet. Gesucht wird er so, wie Bauherren denken, also nach Dachgeschoss ausbauen oder Dachausbau mit dem Namen des Ortes.
Was diese Bauherren vor der Anfrage wissen wollen, ist immer ähnlich: wie der Ablauf aussieht, welche Gewerke Sie selbst übernehmen und welche Sie koordinieren, ob für das Vorhaben eine Genehmigung nötig ist, was das jeweilige Landesbaurecht regelt, und wie fertige Ausbauten bei Ihnen aussehen. Eine eigene Seite zum Dachausbau mit Fotos vorher und nachher beantwortet genau das, und sie wird für diese Suchen gefunden, eine Sammelseite mit allen Leistungen nicht.
Website für Trockenbau und Innenausbau, die Privataufträge bringt
Projektfotos sind im Innenausbau das stärkste Argument
Kaum ein Gewerk lässt sich so gut zeigen wie Innenausbau. Eine fertige Akustikdecke, eine saubere Kante, ein Dachgeschoss vor und nach dem Ausbau: solche Bilder beantworten in zwei Sekunden die Frage, die jeder Interessent hat, nämlich ob Sie ordentlich arbeiten.
Es braucht dafür keinen Fotografen. Ein aktuelles Handy reicht, wenn Sie auf drei Dinge achten: aufgeräumte Fläche, Tageslicht, immer derselbe Standpunkt für Vorher und Nachher. Fragen Sie den Kunden vorher kurz, ob Sie die Bilder zeigen dürfen, dann gibt es später keine Diskussion.
Wie ein Frankfurter Innenausbaubetrieb seine Gewerke sortiert hat
Oberflächengüte, Brandschutz, Schallschutz: die Sprache der Planer
Wer mit Architekten und Planungsbüros zu tun hat, wird an Begriffen gemessen. Die Oberflächengüten Q1 bis Q4 gehören dazu: Sie beschreiben, wie weit eine gespachtelte Fläche fertiggestellt ist, von der reinen Grundverspachtelung bis zur Fläche für Glanz- und Streiflichtbeanspruchung. Wer im Angebot und auf der Website die Güte benennt, die er ausführt, vermeidet Streit auf der Baustelle und wirkt fachlich sicher.
Dasselbe gilt für Brandschutz und Schallschutz. Geprüfte Wand- und Deckenaufbauten, sauber dokumentiert, sind bei Gewerbeobjekten oft der Punkt, an dem sich zwei Angebote unterscheiden. Diese Kompetenz gehört auf die Website, nicht nur ins Angebot.
Wie Sie unabhängiger von einem einzigen Auftraggeber werden
Viele Innenausbaubetriebe hängen an ein oder zwei Generalunternehmern. Das ist bequem, solange es läuft, und gefährlich, sobald einer wegbricht oder den Preis drückt. Der Ausweg ist keine Werbekampagne, sondern eine Mischung: feste Auftraggeber am Bau, dazu eine eigene Sichtbarkeit, über die Privatkunden und neue Bauunternehmen von allein anfragen.
Diese Sichtbarkeit entsteht nicht über Nacht. Sie entsteht dadurch, dass Ihre Leistungen einzeln auffindbar sind, Ihr Gebiet klar benannt ist und Ihre Projekte sichtbar sind. Es ist die Grundlage, auf der lokale Suchmaschinenoptimierung überhaupt erst wirken kann.
Kostenlose Checkliste
Prüfen Sie Ihre Website in einer Viertelstunde selbst
Zwölf Punkte, an denen sich entscheidet, ob aus Besuchern Anfragen werden. Als PDF zum Abhaken, kostenlos und ohne Verpflichtung.
Häufige Fragen
Wie komme ich als Trockenbauer an Aufträge von Generalunternehmern?
Über zwei Wege. Erstens direkt: Bauunternehmen und Generalunternehmer in Ihrem Gebiet kennen, ansprechen und als Nachunternehmer gelistet werden. Zweitens über die Suche, denn bei kurzfristigen Ausfällen sucht ein Bauleiter online nach einem Betrieb, der die Leistung sofort übernehmen kann. Dafür müssen Ihre Gewerke, Ihr Gebiet und Ihre Erreichbarkeit im Netz eindeutig zu finden sein.
Brauche ich für Bauleistungen eine Freistellungsbescheinigung?
Ohne gültige Freistellungsbescheinigung nach Paragraf 48b Einkommensteuergesetz muss Ihr Auftraggeber fünfzehn Prozent der Rechnungssumme einbehalten und ans Finanzamt abführen. Die Bescheinigung beantragen Sie beim Finanzamt. Viele Auftraggeber fragen sie bereits vor der Beauftragung ab, deshalb sollten Sie sie jederzeit griffbereit haben.
Wo finde ich Ausschreibungen für Trockenbau und Innenausbau?
Öffentliche Auftraggeber veröffentlichen Bauleistungen auf Vergabeplattformen, private Auftraggeber vergeben dagegen meist direkt über Generalunternehmer. Rechnen Sie bei öffentlichen Ausschreibungen mit formalen Eignungsnachweisen und mit Preiswettbewerb. Für kleinere Betriebe bringt der direkte Weg über Bauunternehmen und Privatkunden pro Stunde Aufwand in der Regel mehr.
Lohnt sich eine eigene Website, wenn ich nur als Subunternehmer arbeite?
Gerade dann. Als Subunternehmer hängen Sie an wenigen Auftraggebern, und genau das ist das Risiko. Eine eigene Seite macht Sie für andere Bauunternehmen auffindbar und öffnet zusätzlich das Privatkundengeschäft, etwa beim Dachgeschossausbau. Sie verhandeln anders, wenn Sie nicht auf einen einzigen Auftraggeber angewiesen sind.
Wie wichtig sind Fotos meiner fertigen Arbeiten?
Im Innenausbau sind sie das stärkste Argument, weil das Ergebnis sichtbar ist. Vorher-nachher-Bilder aus demselben Blickwinkel, eine fertige Decke, ein Detail einer sauberen Kante. Ein aktuelles Handy reicht dafür völlig. Wichtig ist nur, den Kunden vorher zu fragen, ob Sie die Bilder verwenden dürfen.
Wie vermeide ich Streit um Nachträge im Innenausbau?
Indem Sie das Leistungsverzeichnis vor dem Angebot gegen die Pläne prüfen, Annahmen im Angebot nennen, jede Änderung mit Datum und Foto dokumentieren und zusätzliche Leistungen schriftlich ankündigen, bevor Sie sie ausführen. Bei vereinbarter VOB/B regelt deren Paragraf 2 die Vergütung, im Einzelfall hilft ein Anwalt für Baurecht.
Wie bekomme ich Aufträge für den Dachausbau?
Über eine eigene Seite zum Dachausbau, die den Ablauf erklärt, sagt, welche Gewerke Sie übernehmen, und fertige Ausbauten mit Fotos zeigt. Bauherren suchen nach Dachgeschoss ausbauen mit ihrem Ort und vergleichen genau diese Angaben, bevor sie anfragen.
Wie kommen kleine Bauunternehmen an Aufträge?
Über drei Kanäle: als Nachunternehmer bei Generalunternehmern, direkt bei privaten Bauherren und über öffentliche Ausschreibungen. Den direkten Weg zum Bauherrn steuern Sie am stärksten selbst, über eine Website und ein Google-Profil mit Fotos und Bewertungen.
Mehr Anfragen für Ihren Betrieb?
Wir schauen uns Ihren Auftritt an und zeigen Ihnen kostenlos, wo Ihr größtes Potenzial liegt, ganz unverbindlich.
Kostenlose Analyse anfordern