Branchen-Ratgeber · 10 Min. Lesezeit
Auftragsvergabe im Metallbau: wie Industrie und Handel ihre Aufträge platzieren
Von Patrick Sauna · veröffentlicht am · aktualisiert am
Aufträge im Metallbau werden anders vergeben, als viele Betriebe annehmen. Die wenigsten landen auf einem Portal. Die meisten gehen an Betriebe, die der Einkäufer schon kennt oder bei einer gezielten Suche findet. Dieser Ratgeber beschreibt den Weg von der Anfrage bis zur Freigabe als Lieferant, nennt die Nachweise, die dabei verlangt werden, und zeigt, was davon auf Ihre Website gehört.
Schweißen ist eine Leistung, die kaum jemand beurteilen kann, bevor sie fertig ist. Weder der Industriekunde, der eine Reparatur an einer Anlage braucht, noch der Hausbesitzer, der ein Geländer will, kann von außen erkennen, ob eine Naht sauber ausgeführt wurde. Beide entscheiden deshalb nach dem, was sie sehen können, und das ist heute meistens die Website.
Die Besonderheit bei Schweißfachbetrieben: Es sind zwei völlig verschiedene Kundengruppen, die auch völlig verschieden suchen. Wer beide bedienen will, muss beide sichtbar ansprechen.
Wie ein Auftrag im Metallbau tatsächlich vergeben wird
In der Industrie läuft die Vergabe selten über eine offene Ausschreibung. Der Einkauf oder die Instandhaltung hat einen Bedarf, etwa eine Schweißbaugruppe, eine Reparatur oder eine Serie von Blechteilen, und fragt gezielt einige wenige Betriebe an. Wer auf dieser kurzen Liste nicht steht, erfährt von dem Auftrag gar nicht erst.
Auf die Liste kommt ein Betrieb auf drei Wegen: weil er schon einmal geliefert hat, weil ihn jemand empfohlen hat, oder weil der Einkäufer ihn bei der Suche nach einem konkreten Verfahren oder Werkstoff gefunden hat. Danach folgt fast immer derselbe Ablauf: Anfrage mit Zeichnung, Angebot, Vergleich, häufig ein Probeauftrag, und erst dann die Aufnahme als freigegebener Lieferant.
Für kleinere Betriebe ist der dritte Weg der einzige, den sie selbst in der Hand haben. Ein Einkäufer, der nach Lohnfertigung Edelstahl oder nach Reparaturschweißen in seiner Region sucht, muss auf eine Seite treffen, die genau diese Wörter verwendet und die Fragen beantwortet, die er ohnehin stellen würde.
- Bedarf entsteht in Einkauf, Konstruktion oder Instandhaltung
- Angefragt werden wenige, bereits bekannte oder gezielt gesuchte Betriebe
- Verglichen werden Preis, Liefertermin, Nachweise und Erreichbarkeit
- Nach einem sauberen Probeauftrag folgt die Aufnahme als Lieferant
Welche Nachweise Einkäufer sehen wollen
Im gewerblichen Bereich entscheidet oft ein einziges Dokument darüber, ob ein Betrieb anbieten darf. Für tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium ist das die Zertifizierung nach DIN EN 1090 mit der passenden Ausführungsklasse. Ohne sie darf ein tragendes Bauteil nicht mit CE-Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden, und ein Einkäufer fragt deshalb gar nicht erst an.
Dazu kommen gültige Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606, in vielen Betrieben ein Qualitätsnachweis nach DIN EN ISO 3834 und bei größeren Kunden ein Managementsystem nach ISO 9001. Wer für den Druckbehälterbau oder für Schienenfahrzeuge arbeitet, braucht die jeweils eigenen Zulassungen.
Entscheidend ist, dass diese Nachweise auf der Website stehen, mit Geltungsbereich und am besten als Dokument zum Herunterladen. Ein Einkäufer, der drei Betriebe vergleicht, nimmt den, bei dem er nicht nachfragen muss.
Öffentliche Aufträge und Ausschreibungen für Schweißarbeiten
Anders läuft es bei Kommunen, Landesbetrieben und dem Bund. Dort werden Bauleistungen nach der VOB/A vergeben, Liefer- und Dienstleistungen nach der Unterschwellenvergabeordnung oder oberhalb der EU-Schwellenwerte nach der Vergabeverordnung. Veröffentlicht wird auf Vergabeplattformen wie service.bund.de, der e-Vergabe des Bundes oder dem Deutschen Vergabeportal, dazu auf den Portalen der Länder.
Wer dort regelmäßig anbieten will, spart sich viel Papier mit einer Präqualifikation. Für Bauleistungen ist das der Eintrag im Präqualifikationsverzeichnis, mit dem die Eignungsnachweise einmal geprüft und danach nur noch per Nummer angegeben werden.
Für viele kleine Betriebe lohnt sich die öffentliche Ausschreibung erst als zweites Standbein. Der Aufwand je Angebot ist hoch, und es gewinnt meist der günstigste Bieter. Als Subunternehmer eines größeren Stahlbauers kommt man oft leichter an dieselben Projekte.
Zwei Zielgruppen, zwei völlig verschiedene Suchen
Ein Industriekunde sucht nach Schweißarbeiten, Lohnfertigung, Reparaturschweißen oder mobilem Schweißservice. Er hat oft Zeitdruck, weil eine Maschine steht, und achtet auf Verfahren, Materialien und Kapazität. Ein Privatkunde sucht nach Geländer, Tor, Vordach, Treppe oder Zaun und achtet auf Optik, Preisrahmen und Zuverlässigkeit.
Beide über einen Kamm zu scheren, kostet Aufträge. Eine Website, die nur allgemein von Metallbau spricht, wird für keine dieser Suchen wirklich gefunden. Besser ist, beide Bereiche klar getrennt darzustellen, mit den Begriffen, die die jeweilige Zielgruppe selbst benutzt.
- Industrie: Reparaturschweißen, Lohnfertigung, mobiler Schweißservice, Anlagenbau
- Privat: Geländer, Tore, Zäune, Treppen, Vordächer, Sonderanfertigungen
- Beide Bereiche mit eigenen Abschnitten statt in einem Sammeltext
Verfahren und Qualifikationen schaffen Vertrauen
Was in vielen Branchen nach Fachchinesisch klingt, ist beim Schweißen ein echtes Verkaufsargument. Wenn Sie angeben, welche Verfahren Sie beherrschen, also WIG, MIG oder MAG, und welche Werkstoffe Sie verarbeiten, also Stahl, Edelstahl oder Aluminium, dann erkennt ein Industriekunde sofort, ob Sie für ihn infrage kommen.
Dasselbe gilt für Prüfungen und Zertifikate. Wer eine gültige Schweißerprüfung oder eine Zertifizierung nach den einschlägigen Normen hat, sollte das nennen. Für gewerbliche Auftraggeber ist das oft die Voraussetzung, um überhaupt anfragen zu dürfen, und viele Betriebe verschenken diesen Vorteil, weil er nirgends steht.
Projektfotos sind Ihr stärkstes Argument
Nichts überzeugt bei Metallarbeiten so schnell wie ein gutes Foto. Ein sauber gefertigtes Geländer, eine gelungene Reparatur, eine Sonderanfertigung, die es so nicht von der Stange gibt, all das sagt mehr über Ihre Arbeit aus als jeder Beschreibungstext.
Wichtig ist, dass es echte Fotos aus der eigenen Werkstatt und von eigenen Projekten sind. Stockbilder erkennt jeder Fachkunde sofort, und sie kosten Glaubwürdigkeit. Ein Bild vorher und nachher wirkt bei Reparaturen besonders stark, weil es die Leistung sichtbar macht, die sonst unsichtbar bleibt.
Mobile Einsätze und Einzugsgebiet klar benennen
Viele Schweißbetriebe arbeiten nicht nur in der eigenen Werkstatt, sondern fahren zum Kunden, etwa für Reparaturen an Maschinen, Geländern oder Toren vor Ort. Das ist ein starker Vorteil gegenüber reinen Werkstattbetrieben, wird aber oft nicht erwähnt.
Schreiben Sie deshalb konkret, dass Sie mobile Einsätze anbieten, und nennen Sie Ihr Einzugsgebiet mit den Orten, in die Sie tatsächlich fahren. Das hilft doppelt: Google ordnet Ihre Seite den passenden Regionen zu, und Anfragen von zu weit weg bleiben Ihnen erspart.
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Häufige Fragen
Wo finde ich Ausschreibungen für Schweißarbeiten und Metallbau?
Öffentliche Auftraggeber veröffentlichen auf Vergabeplattformen wie service.bund.de, der e-Vergabe des Bundes, dem Deutschen Vergabeportal und den Portalen der Länder. Industrieaufträge werden dagegen fast nie ausgeschrieben, sondern gezielt bei wenigen bekannten oder online gefundenen Betrieben angefragt.
Brauche ich eine Zertifizierung nach DIN EN 1090, um Aufträge zu bekommen?
Für tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium ja, weil sie ohne diese Zertifizierung nicht mit CE-Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden dürfen. Für Reparaturen, nicht tragende Teile und viele Privataufträge ist sie nicht vorgeschrieben, wird von gewerblichen Kunden aber trotzdem häufig als Nachweis verlangt.
Soll ich als Schweißer Industrie- und Privatkunden auf einer Website ansprechen?
Ja, aber getrennt. Beide Gruppen suchen mit ganz unterschiedlichen Begriffen, der eine nach Reparaturschweißen oder Lohnfertigung, der andere nach Geländer oder Tor. Eigene Abschnitte für beide Bereiche werden von Google besser eingeordnet und sprechen jede Gruppe direkt an.
Sind Angaben zu Schweißverfahren und Zertifikaten wirklich wichtig?
Für gewerbliche Auftraggeber sehr. Angaben zu WIG, MIG oder MAG, zu verarbeiteten Werkstoffen wie Edelstahl oder Aluminium und zu vorhandenen Schweißerprüfungen entscheiden oft darüber, ob ein Betrieb überhaupt angefragt wird. Viele lassen diesen Vorteil ungenutzt liegen.
Wie wichtig sind Fotos meiner Arbeiten?
Sehr wichtig. Die Qualität einer Schweißnaht kann ein Kunde vorab nicht prüfen, also entscheidet er nach dem, was er sieht. Echte Fotos eigener Projekte, gern auch vorher und nachher bei Reparaturen, überzeugen deutlich stärker als jede Beschreibung. Stockbilder wirken dagegen unglaubwürdig.
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