Branchen-Ratgeber · 8 Min. Lesezeit
Lohnschweißen: wie Schweißbetriebe an Aufträge aus der Industrie kommen
Von Patrick Sauna · veröffentlicht am · aktualisiert am
Lohnschweißen heißt: Der Kunde liefert Zeichnung und oft auch das Material, Sie liefern die Naht. Für kleine Schweißbetriebe und mobile Schweißer ist das der direkteste Weg in die Industrie, weil kein eigenes Produkt und kein Vertrieb nötig sind. Schwierig ist nur der Anfang, denn Schweißaufträge aus der Industrie werden selten öffentlich vergeben.
Dieser Ratgeber zeigt, wer Schweißarbeiten überhaupt nach außen gibt, wie diese Betriebe ihre Lohnschweißer finden und was Sie vorbereitet haben sollten, bevor die erste Anfrage kommt.
Wer Schweißarbeiten nach außen vergibt
Drei Gruppen vergeben regelmäßig Schweißarbeiten. Die erste sind Maschinen- und Anlagenbauer, die Gestelle, Rahmen und Schweißbaugruppen nicht selbst fertigen oder Auftragsspitzen abfedern müssen. Die zweite sind Stahl- und Metallbauer, die für einzelne Projekte Subunternehmer brauchen, in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Die dritte sind Betriebe mit eigener Instandhaltung, bei denen eine Anlage steht und schnell jemand mit dem passenden Verfahren gebraucht wird.
Jede dieser Gruppen sucht anders. Der Anlagenbauer sucht einen verlässlichen Partner für wiederkehrende Teile und achtet auf Nachweise und Termintreue. Der Stahlbauer sucht Kapazität für einen begrenzten Zeitraum. Die Instandhaltung sucht jemanden, der heute noch ans Telefon geht.
- Maschinen- und Anlagenbau: Schweißbaugruppen, Gestelle, Auftragsspitzen
- Stahl- und Metallbau: Subunternehmer für Werkstatt und Montage
- Instandhaltung: Reparaturschweißen, oft unter Zeitdruck und vor Ort
Lohnschweißen, Lohnschweißarbeiten, Schweißen im Lohn: was genau gemeint ist
Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet, meinen aber dasselbe Geschäftsmodell: Ein Betrieb schweißt im Auftrag eines anderen Unternehmens, nach dessen Vorgaben. Lohnschweißarbeiten sind die einzelnen Aufträge, Lohnschweißer ist der Betrieb oder die Person, die sie ausführt. Verwandt ist die Lohnfertigung, bei der zusätzlich zugeschnitten, gekantet oder montiert wird.
Abzugrenzen ist das von der Arbeitnehmerüberlassung. Beim Lohnschweißen schulden Sie ein Ergebnis, also die fertige Naht oder Baugruppe, und arbeiten mit eigenem Gerät in eigener Verantwortung. Werden Sie dagegen in den Betrieb des Kunden eingegliedert und arbeiten nach dessen Weisung, kann das rechtlich als Überlassung gelten, mit ganz anderen Pflichten.
Wie diese Betriebe ihre Lohnschweißer finden
Der häufigste Weg ist die Empfehlung unter Kollegen, der zweithäufigste die Suche im Netz. Gesucht wird selten nach dem Wort Schweißer allein, sondern nach der konkreten Aufgabe: Lohnschweißen Edelstahl, WIG-Schweißen Aluminium, Reparaturschweißen Gusseisen, mobiler Schweißservice mit dem Namen der Region. Wer diese Begriffe auf seiner Seite nicht verwendet, taucht bei diesen Suchen nicht auf, egal wie gut die Arbeit ist.
Daneben gibt es Zulieferportale und Auftragsbörsen für die Metallbearbeitung. Sie können für den Einstieg sinnvoll sein, haben aber zwei Nachteile: Sie konkurrieren dort fast nur über den Preis, und der Kontakt gehört der Plattform. Eine Anfrage, die über die eigene Seite kommt, ist dagegen von Anfang an ein direkter Kundenkontakt.
Schweißaufträge finden: wo Sie konkret ansetzen
Wer Schweißaufträge sucht, wartet am besten nicht darauf, dass sie auf einem Portal auftauchen. Die meisten Aufträge entstehen, weil ein Betrieb im richtigen Moment bekannt oder auffindbar ist. Diese Stellen bringen erfahrungsgemäß am meisten:
- Einkauf und Instandhaltung von Industriebetrieben im Umkreis direkt anschreiben, mit Verfahren, Werkstoffen und Reaktionszeit auf einer Seite
- Stahl- und Metallbauer der Region fragen, ob sie für Auftragsspitzen Kapazität brauchen
- Regionale Treffen von Fachverbänden wie den DVS-Bezirksverbänden für Kontakte zu Betrieben nutzen, die Schweißarbeiten vergeben
- Auf Vergabeplattformen einen Suchauftrag für Schweiß- und Metallbauarbeiten anlegen
- Zulieferportale als Ergänzung nutzen, nicht als einzigen Kanal
- Die eigene Website so aufbauen, dass sie bei Suchen nach Verfahren, Werkstoff und Region erscheint
Website für Schweißbetriebe, die bei diesen Suchen erscheint
Was ein Einkäufer vor der ersten Anfrage prüft
Bevor ein Industriekunde eine Zeichnung schickt, will er in wenigen Minuten wissen, ob Sie infrage kommen. Er sucht nach Verfahren und Werkstoffen, nach den maximalen Abmessungen und Gewichten, die Sie handhaben können, nach gültigen Schweißerprüfungen und, wenn es um tragende Bauteile geht, nach der Zertifizierung nach DIN EN 1090.
Fehlt eine dieser Angaben, ruft er nicht an, um nachzufragen. Er nimmt den nächsten Betrieb auf der Liste. Deshalb gehören diese Angaben gesammelt an eine Stelle, am besten als kurze Übersicht mit den Nachweisen zum Herunterladen.
- Verfahren: WIG, MIG, MAG, E-Hand, mit den jeweiligen Werkstoffen
- Kapazität: Werkstattgröße, Krane, größte Bauteilabmessung
- Nachweise: Schweißerprüfungen, DIN EN 1090, DIN EN ISO 3834, soweit vorhanden
- Einsatzgebiet: Werkstatt, mobil beim Kunden oder beides, mit Region
Das Angebot: schnell schlägt perfekt
Bei Lohnarbeiten gewinnt häufig der Betrieb, der zuerst ein nachvollziehbares Angebot schickt. Nachvollziehbar heißt: klare Abgrenzung, was enthalten ist und was nicht, etwa Materialbeistellung, Nahtvorbereitung, Prüfungen und Transport. Ein Stundensatz für Arbeiten beim Kunden und ein Stückpreis für Werkstattteile gehören getrennt ausgewiesen.
Wenn Sie beim Kunden im Betrieb arbeiten, sollte vertraglich eindeutig sein, dass Sie ein eigenes Werk schulden und nicht als überlassene Arbeitskraft eingesetzt werden. Das ist eine rechtliche Frage, die Sie einmal mit Ihrem Steuerberater oder Anwalt klären sollten, bevor der erste größere Einsatz ansteht.
Vom Probeauftrag zum festen Lieferanten
Der erste Auftrag ist fast immer klein. Er ist der eigentliche Test: Stimmt die Qualität, kommt die Ware zum zugesagten Termin, ist jemand erreichbar, wenn etwas unklar ist. Wer diesen Test besteht, wird als Lieferant angelegt und bekommt die nächsten Anfragen automatisch.
Fotos solcher Aufträge, mit Einverständnis des Kunden und ohne vertrauliche Details, sind danach Ihr stärkstes Verkaufsargument. Ein Einkäufer erkennt an einer sauber fotografierten Naht mehr als an jedem Werbetext.
Website für Schweißer und Metallbauer, die solche Anfragen bringt
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Häufige Fragen
Was ist Lohnschweißen?
Beim Lohnschweißen führt ein Schweißbetrieb Schweißarbeiten im Auftrag eines anderen Unternehmens aus, nach dessen Zeichnung und häufig mit beigestelltem Material. Abgerechnet wird je Stück oder nach Aufwand. Typische Auftraggeber sind Maschinenbauer, Stahlbauer und Betriebe mit eigener Instandhaltung.
Wie komme ich als Lohnschweißer an Aufträge?
Über drei Wege: Empfehlungen aus bestehenden Kontakten, direkte Ansprache von Maschinenbauern und Stahlbauern in der Region und eine Website, die Verfahren, Werkstoffe, Kapazität und Nachweise so konkret nennt, dass Einkäufer sie bei ihrer Suche finden. Portale können ergänzen, ersetzen den direkten Kundenkontakt aber nicht.
Brauche ich als Lohnschweißer eine Zertifizierung?
Gültige Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606 werden praktisch immer erwartet. Für tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium ist zusätzlich die Zertifizierung nach DIN EN 1090 nötig. Für Reparaturen und nicht tragende Teile ist sie nicht vorgeschrieben, erleichtert aber den Zugang zu größeren Kunden.
Lohnen sich Auftragsbörsen für Schweißarbeiten?
Für den Einstieg können sie erste Kontakte bringen. Auf Dauer ist der Preisdruck dort hoch, und der Kundenkontakt liegt bei der Plattform. Sinnvoll ist, Portale als Ergänzung zu nutzen und parallel die eigene Auffindbarkeit aufzubauen.
Wie finde ich Schweißaufträge?
Am zuverlässigsten über direkte Ansprache von Einkauf und Instandhaltung in Industriebetrieben, über Stahl- und Metallbauer mit Auftragsspitzen und über eine Website, die Verfahren, Werkstoffe und Einsatzgebiet so nennt, wie Einkäufer danach suchen. Portale und Vergabeplattformen ergänzen das.
Was sind Lohnschweißarbeiten?
Lohnschweißarbeiten sind Schweißaufträge, die ein Betrieb für ein anderes Unternehmen nach dessen Zeichnung und Vorgaben ausführt, oft mit beigestelltem Material. Abgerechnet wird je Stück oder nach Aufwand.
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